Sind Hochzeitsfotografen zu teuer? Wie viel gute Hochzeitsfotos kosten

Dein Herzensmensch und du seid verlobt. YeahendlichohmeinGottohmeinGottwiegroßartig!!! Freudentaumelnd habt ihr ein Datum für euren großen Tag gefunden und steigt frohen Mutes in die Hochzeitsplanung ein. Im Internet hast du eine Checkliste entdeckt, welche Dinge ihr in den nächsten Monaten organisieren müsst, und du machst dich auch direkt daran, für jede dieser Sachen ein Budget festzulegen. Als du beim Punkt "Hochzeitsfotograf" ankommst, musst du stutzen. Was kostet so jemand eigentlich? Eine kurze Recherche im Hochzeitsforum stiftet mehr Verwirrung, als dass sie dir weiterhilft: 800 €, 1.800 €, 2.500 € sogar 5.000 € – WTF!?  Das kann doch nicht sein... Schließlich gibt es einstündige Fotoshootings in vielen Studios doch schon ab 59 € – wieso sollen dann 6, 8 oder 10 Stunden Hochzeitsbegleitung auf einmal 2.000 € oder mehr kosten? Und wieso gibt es so große Preisunterschiede?

 

Ich will versuchen, mich mit dir diesen Fragen zu nähern. Tatsächlich ist die Preisspanne bei Hochzeitsfotografen sehr hoch, was aber neben eventuellen regionalen Unterschieden vor allem vom Leistungsumfang – also den Stunden, die ein*e Fotograf*in bei euch vor Ort ist – abhängt. In diesem Artikel kannst du nachlesen, welcher Stundenumfang zu euch und eurer Hochzeitsfeier passt. Um hier nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, betrachte ich im Folgenden eine ganztägige Hochzeitsreportage, wie sie bei meinen meisten Hochzeitspaaren in Münster und Münsterland sehr beliebt ist. Meine Darstellung bezieht sich dabei darauf, wie ich selbst meine Preise ermittle – der Weg kann bei anderen Kolleg*innen natürlich anders aussehen. Das Ergebnis sollte aber in Etwa vergleichbar sein.

 

Legen wir mal los... Am Anfang steht für mich die Frage, was ich mir als Hochzeitsfotografin am Monatsende netto auf mein Konto überweisen können möchte, um meine Miete, Essen etc. zu bezahlen....du kennst das aus deinem Job: Die Gehaltsfrage. Unternehmer*innen verdienen stellenweise wirklich viel Geld, da andererseits auch das Risiko an ihnen hängt, dass gar keine Aufträge reinkommen. Die meisten Fotograf*innen leben aber eher bescheiden. Sagen wir mal, ich möchte monatlich 1.500 € zur privaten Verfügung haben. Das heißt, ich muss pro Jahr 18.000 € netto verdienen:

 

12 x 1.500 € = 18.000 €

 

Da der Staat aber Steuern von mir verlangt und ich auch meine Kranken- und Rentenversicherung selbst bezahlen muss, benötige ich über den Daumen gepeilt tatsächlich doppelt so viel Gewinn, damit nach diesen Abzügen ausreichend für mich übrig bleibt.

 

18.000 € x 2 = 36.000 €

 

Ok, jetzt haben wir also den notwendigen Jahresgewinn. Dazu addiere ich meine fixen Betriebsausgaben, die immer anfallen – ganz egal ob ich für einen Auftrag gebucht werde oder nicht. Dieser Betrag ist natürlich nicht für alle Kolleg*innen gleich, bei mir beläuft er sich auf etwa 8.200 € pro Jahr. Darin enthalten sind:

 

Fototechnik/Abschreibung/Wartung: 2500 €

Werbung & Website: 2.000 €

Büro/Software/Telefon: 1.100 €

Versicherungen: 1.100 €

Fortbildung 1.000 €

Kammerbeiträge: 500 €

 

In Summe mit dem oben errechneten Jahresgewinn ergibt das den notwendigen Deckungsbeitrag. Diesen Betrag müssen mir alle Aufträge eines Jahres letztendlich einbringen, damit ich alle meine Kosten decken und mein Gehalt zahlen kann.

 

36.000 € + 8.200 € = 44.200 €

 

Diese 44.200 € teile ich dann durch die Anzahl der Hochzeiten, die ich pro Jahr begleiten kann. Das sind in der Regel zwischen 20 und 40 Hochzeiten, je nach verfügbarer Arbeitszeit, dem Vorhandensein von Mitarbeitern oder Assistenten und dem zeitlichen Umfang der Serviceleistungen für jede einzelne Hochzeit. Ich rechne hier mit dem Durchschnitt, also 30 Hochzeiten im Jahr, weiter. Damit wäre jedes einzelne Wochenende von April bis Oktober für Hochzeitsreportagen reserviert, an den Wochentagen dazwischen werden die Bilder bearbeitet, Beratungsgespräche geführt und der normale Verwaltungswahnsinn bestritten. Für Urlaubs- oder Krankheitstage gäbe es somit keinen Puffer.

 

***Eine kurze Anmerkung: Da bei Instagram die Frage nach der Arbeitszeit aufkam, möchte ich noch einmal darstellen, dass eine Hochzeit 40 Arbeitsstunden ausfüllt. Darüber hinaus fallen jede Woche Tätigkeiten wie Buchführung, Marketing und Kundengespräche an, die zusätzlich bearbeitet werden wollen. In der Nebensaison widmen sich Hochzeitsfotograf*innen dann liegengebliebenen Verwaltungstätigkeiten wie zum Beispiel dem Überprüfen von Arbeitsabläufen, der Aktualisierung der Webseite und des Portfolios, dem Jahresabschluss und der Steuer­erklärung, dem Erstellen und Umsetzen von Marketingplänen, dem Vorbereiten der neuen Saison, dem Entdecken von neuen Trends und Locations für unsere Paare und – ganz wichtig – der Fortbildung.***

 

44.200 € / 30 = 1.473,33 €

 

Hui, mit jeder Hochzeit muss ich also schon jetzt wenigstens 1.473,33 € einnehmen. Doch das reicht leider noch nicht. Für jede Hochzeit fallen noch auftragsbezogene Kosten beispielsweise für Porto, Fahrtkosten, Bewirtung und ähnliche Dinge an. Diese liegen bei mir bei etwa 100 € je Hochzeit.

 

1.473,33 € + 100 € = 1.573,33 €

 

Damit sind wir fast am Ende angekommen. Im letzten Schritt muss auf diesen – für mich kostendeckenden – Preis noch 19% Umsatzsteuer draufgerechnet werden. Dazu nehme ich den bisher ermittelten Wert mal 1,19:

 

1.573,33 € x 1,19 = 1.872,27 €

 

 

Etwas gerundet komme ich bei 30 Hochzeiten im Jahr also auf einen Preis von wenigstens 1.890 €. Plane ich Puffer für Urlaub oder Krankheit mit ein, liege ich mit 25 Hochzeiten im Jahr schon bei 2.222,92 €.

 

Vielleicht denkst du jetzt: "Aber warte mal, warum haben andere Paare dann eine Ganztagesreportage für nur XY € bekommen?" Eine Möglichkeit wäre, dass in dem Fall die Kosten oder das Gehalt niedriger als in meinem Beispiel lagen. Der aber wohl häufigste Fall ist, dass es natürlich auch Angebote von nicht-hauptberuflichen Fotograf*innen gibt. Als Hobbyfotografin oder nebenberufliche Fotografin müsste ich (bis zu einer gewissen Grenze) keine Umsatzsteuer zahlen und mich nicht sozialversichern. So könnte ich selbstverständlich auch zu geringeren Preisen meine Kosten decken und mir etwas zu meinem Tagesjob hinzuverdienen. Das ist auch vollkommen legitim. Doch hierbei solltest du einen ganz entscheidenden Punkt nicht vergessen – den Grund, warum manche Fotograf*innen auch 5.000 € für ihre Arbeit verlangen können: Die Erfahrung.

 

Hauptberuflich*e Hochzeitsfotograf*innen beschäftigen sich ihr ganzes Arbeitsleben damit, wie Hochzeiten ablaufen und gut organisiert werden können, was eine zeitgemäße und hochwertige Bildsprache ausmacht, wie sie ihren Paaren die gesamte Begleitung mit Rat und Tat so angenehm wie möglich machen können. Diese Erfahrung und ein über Jahre hinweg entwickelter, einzigartiger Bildstil machen eure Hochzeitsbilder zu etwas ganz besonderem. Denn neben deinem Herzensmenschen und euren Ringen sind eure Bilder das Einzige, was dir von deinem Hochzeitstag bleibt - da lohnt es sich, bei der Wahl eures Hochzeitsfotografen nicht ausschließlich auf den Preis zu achten. Wenn du wissen möchtest, worauf du bei eurer Fotografenwahl achten solltest, habe ich dir hier beschrieben, wie ihr den richtigen Hochzeitsfotografen findet.

 

Ich hoffe, dass der Beitrag für dich interessant war und vielleicht etwas Licht ins dunkle Wirrwarr der Fotografenpreise gebracht hat. Wenn du Anmerkungen oder Fragen loswerden möchtest, dann schreibe mir gerne einen Kommentar!

 Ich freue mich auf deine Gedanken.

 

Alles Liebe

Sabrina

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Kommentare: 4
  • #1

    Katharina von gluecksmoment (Mittwoch, 28 August 2019 11:44)

    Liebe Sabrina, ein toller Beitrag! Das gilt ja nicht nur für Hochzeitsfotografin, sondern passt für viele kleine Dienstleistungsunternehmen. Wenn man dann noch bedenkt, dass wir deutlich mehr arbeiten als im Angestelltenverhältnis und dort deutlich mehr als 1500€ verdient haben... Das machen wir nur, weil wir unsere Jobs lieben, nicht wahr?!

  • #2

    Sabrina Tietz (Mittwoch, 28 August 2019 11:57)

    Liebe Katharina,

    ganz genau! Die Liebe zu diesem tollen Beruf und meinen großartigen Paaren lässt mich auch gerne über lange Arbeitstage hinwegsehen :-) Doch ich glaube, dass wir mit voller Transparenz auch viel Verständnis für faire Preise erlangen können.

  • #3

    Julia von Jubelzeiten (Mittwoch, 28 August 2019 22:51)

    Hallo Sabrina,
    ein wirklich wertvoller Blogpost! Transparenz ist einfach so wichtig und hilft aufzuklären, was die Arbeit von uns (Hochzeits)Dienstleistern wert ist!! Viel Expertise und Leidenschaft für letztlich kostendeckendes Einkommen sind gute Gründe für faire Entlohnung.

  • #4

    Sabrina Tietz (Donnerstag, 29 August 2019 10:05)

    Danke liebe Julia, da kann ich dir nur zustimmen. Doch dieser Artikel soll bitte nicht als Beschwerde meinerseits aufgefasst werden... Ich habe nur den Eindruck, dass sich sehr viele Hochzeitspaare für diese Details und Hintergründe interessieren. Das finde ich toll und daher wollte ich gerne einmal offen über dieses Thema schreiben :-)

Sag hallo

 

 

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